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#71: Fatma Aydemir – Dschinns🧞

»Hüseyin, […] wie kannst du ausgerechnet jetzt an einem Herzinfarkt sterben und alles verpassen, was sich hier in dieser Wohnung abspielen wird, in deiner Wohnung?«

Ist dies der letzte Gedanke eines türkischen »Gastarbeiters«, der nur Tage vor seinem 60. Geburtstag und dem wohlverdienten Ruhestand in der wunderbaren Wohnung in Istanbul stirbt, für die er ein Leben lang gearbeitet hat? Oder verhöhnt den sterbenden Hüseyin ein Dschinn, der sich nun seiner Familie annehmen wird?

In Fatma Aydemirs Roman blicken wir durch die Augen seiner verbitterten Frau Emine, seiner ehrgeizigen Töchter Sevda und Peri und seiner schwankenden Söhne Hakan und Ümit. Sie alle versammeln sich für die Beerdigung ihres Babas und begegnen dabei ihren eigenen Dschinns – den quälenden Gewissheiten im Hinterkopf und jahrelang totgeschwiegenen Rissen in der Familie. Eine Sternstunde der Empathie!

Unsere Laberfach-Crew ist beeindruckt von diesem Werk, genauso wie Tubâ vom »Emporkömmlinge«-Podcast. Vielen Dank für deine Expertise als Historikerin und Perspektiven aus deiner eigenen Vita in dieser Folge!

Wir sind also restlos begeistert – doch wären Schüler*innen im Unterricht es auch…?

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#70: Bücher mit Migrationsgeschichte (feat. »Die Emporkömmlinge«)

Tubâ und Eddy sind »Die Emporkömmlinge«: In ihrem Podcast quatschen sie, allein oder mit anderen Expertinnen, z.B. über Rassismuskritik, unfaire Gesellschaftsstrukturen, die Reflektion unserer Kolonialvergangenheit oder ganz generell über das Leben als BIPoC in Deutschland. Dabei haben sie auch immer die Schule im Blick: Die beiden sind nämlich auch (Geschichts-)Lehrerinnen – nur ein Grund, weshalb sie beim »Laberfach« herzlich willkommen sind!

In unserem kleinen Crossover quatschen wir über Literatur mit Migrationsgeschichte – im doppelten Sinne. Welche Werke würden unserem weiß dominierten Kanon mal guttun? Welche Perspektiven spielen im Unterricht zu selten eine Rolle? Und mit welchen Büchern kann man Brücken zwischen Schüler*innen mit und ohne internationalen Wurzeln bauen?

Wir danken Tubâ und Eddy für das wirklich wunderschöne Gespräch! Hört auch mal bei den beiden im Podcast rein!

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#69: Friedrich Schiller – Die Räuber ⚔️

Stress im Hause Moor: Während der Zweitgeborene Franz seinen Vater gaslightet und die Verlobte seines Bruders Karl begrapscht, feiert der sein Studentenleben und gründet in der Kneipe spontan eine Räuberbande. Beide Lebensentwürfe klingen nicht sonderlich vielversprechend. Immerhin gibt es da noch Amalia: Die einzige Figur in diesem Stück, die a) weiblich und b) unfassbar schlagfertig ist (Pun intended).

Friedrich Schillers erstes Drama „Die Räuber“ gehört seit über 200 Jahren zum festen Standard in Theater-Spiel- und Schul-Lehrplänen – obwohl selbst Literaturkritiker-Papst Marcel Reich-Ranicki das Stück als „unrealistisch“, „Kitsch“ und „Trivialliteratur“ betitelte. Warum ist Hannah dann so hooked und auch die restliche Crew so ausgelassen?

Kommt mit uns in die böhmischen Wälder und findet es heraus! 🙂

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Unterrichtsmaterialien zu Georg Büchners »Woyzeck« 🔪

In NRW steht aktuell Georg Büchners »Woyzeck« als Pflichtlektüre auf dem Prüfungsplan. An der Gestaltung der Reihe habe ich damals lange gesessen: Das Fragment ist als vergilbter, unfertiger Zettelkasten überliefert, bei dem die einzelnen Puzzlestückchen nicht so recht zusammenpassen wollen. Gerade das macht das Werk aber so spannend!

Die Materialien, die ich euch hochladen kann, geben meine Reihe im Q1-LK ebenfalls nur fragmentarisch wieder, weil ich bei Lektüren häufig materialfrei arbeite (Lektüre raus, Arbeitsauftrag an der Tafel) und insbesondere (copyrightgeschützte) historische Fachtexte genutzt habe. Aber sicher findet ihr hilfreiche Anregungen! 🙂

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#68: Franz Kafka – Der Prozess ⚖️

»Jemand mußte Josef K. verleumdet haben, denn ohne daß er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.«

Von wem genau, mit welcher Befugnis und v.a.: warum ihm überhaupt der Prozess gemacht wird, das können wir euch auch nach 200 Seiten Roman so wenig beantworten wie Josef selbst. Dafür weiß offenbar die komplette Stadt Bescheid: Der Herr K. hat ein Verfahren am Hals! Sowas geht nie gut aus…

Bei diesem Kafka-Roman ist schon der Titel völlig unklar (»Der Prozeß«? »Der Process«? »Der Proceß«?). Ob dessen Protagonist ein Opfer von Korruption ist, regelmäßig in ein stickiges Paralleluniversum abdriftet oder vor lauter Schuld- und Schamgefühlen langsam wahnsinnig wird, darüber streiten die Germanist*innen seit ziemlich genau einem Jahrhundert.

Wir wünschen viel Vergnügen auf diesem irren Trip!

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Unterrichtsmaterialien zu Arno Geigers »Unter der Drachenwand« 🐉

Einer der zahllosen schönen Aspekte an diesem Podcast-Projekt ist, dass ich häufig mit euch über die Unterrichtsgestaltung ins Gespräch komme: »Dazu habe ich den Sachtext X reingegeben!«, »Kennst du die Methode Y?«, »Verlag Z hat dazu…«. Das hilft mir oft sehr!

Deshalb habe ich mir für das neue Jahr vorgenommen, ab und zu ein paar meiner Materialien zu teilen. »Sharing is caring«! Und auch wenn ich nicht alles hochladen kann, weil ich natürlich auch gern auf (copyrightgeschützte) Materialien von Verlagen und Autor*innen zurückgreife, findet ihr hier ein paar Vorlagen zu Arno Geigers »Unter der Drachenwand«, die ich selbst erstellt habe. Bedient euch, passt sie für euch an oder lasst euch inspirieren! 🙂

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#67: Die Literatur der BRD, 1945-1990 (Epochen-Lexikon)

In der vorvorletzten Epochen-Folge tun wir genau das, was man uns Historiker*innen so gern vorwirft: Wir kümmern uns ausschließlich um die Geschichte der (westdeutschen) Bundesrepublik!

Und was waren das für wilde 75 Jahre! Angefangen bei einer kolossal verhauenen Entnazifizierung, trotz einer herausragenden neuen Verfassung namens »Grundgesetz«, über die mühevolle Aussöhnung und Westbindung, Wohlstandsspeck im Wirtschaftswunder, bis zu den Stundent*innen-Protesten der 68er und Willy Brandts neuer Ostpolitik…

Bei alledem haben Autor*innen wie Hilde Domin und Heinrich Böll fleißig geschrieben, sich im vollgequarzten Klima der Gruppe 47 schäbiges Feedback gegeben und ganz neue Literatur-Zielgruppen erreicht.

Aber bewegt uns die Literatur aus solch aufregenden Zeiten bis heute…?

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#66: Gaius Julius Cäsar – De bello Gallico ⚔️

»Gallia est omnis divisa in partes tres…«

An Julius Cäsars »De bello Gallico« ist wohl keine Lateinschülerin der letzten Jahrhunderte ganz vorbeigekommen – insofern ist Cäsars selbstverliebte Propagandaschrift über Schlachten mit wilden Wald-Grobianen und Brücken-Architektur eigentlich überqualifiziert für eine Laberfach-Folge.

Wir waren überrascht, wie aktuell das Werk mitunter ist – wenn Diktator Cäsar gezielt Feindbilder zeichnet, um mit seinem Eroberungskrieg von innerpolitischen Problemen und eigenen Verbrechen abzulenken, und selbstverständlich als der Gute in einer äußerst blutigen Geschichte dazustehen. Wie wenig Menschen doch in 2000 Jahren dazulernen…

Darf der „Bello“ also im Lehrplan bleiben…?

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#65: Bov Bjerg – Auerhaus 🏠

Ein Dorf in Süddeutschland, Ende der 80er-Jahre. In einem verfallenen Bauernhaus trinkt eine WG am Küchentisch geklauten Wein. Es prosten sich zu: Ein Abiturient auf Sinnsuche, seine kleptomanische Freundin, ein bekiffter Elektriker im Netzhemd, eine kahlgeschorene Pyromanin, eine aussichtsreiche Violinistin und der bullige Bauerssohn, der gerade erst einen Suizidversuch überlebt hat.

Und im Hintergrund dudelt der Kassettenrekorder: „Our House…“

Bov Bjergs oranger Jugend-(?)-roman schwankt ständig zwischen Melancholie und Lebensfreude, Familiengefühl und Einsamkeit, Jugendträumen und ganz harter Realität. Die Bewohner*innen des „Auerhaus“ wachsen einem beim Lesen schnell ans Herz, gerade weil sie alle struggeln: Wenn sie gemeinsam das Leben feiern, wissen sie immer, dass sie aufeinander aufpassen müssen, wenn Feier und Leben nicht ganz schnell enden sollen.

Kickt dieser Roman Goethes „Werther“ aus dem Lehrplan…?

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#64: Wolfgang Borchert – Kurzgeschichten

Als Wolfgang Borchert mit nur 26 Jahren starb, hatte er schon alles hinter sich: Diverse Gefängnisaufenthalte wegen zu lauter Kritik am Nazi-Regime, mehrere Kriegseinsätze an der Ostfront und eine Autorenkarriere, die gerade deutschlandweit durch die Decke ging. Noch auf dem Krankenbett schrieb er wie ein Berserker an Kurzgeschichten, um sie der Welt zu hinterlassen und damit unabsichtlich den Deutschunterricht auf Dekaden zu prägen.

Wir haben uns zwei Evergreen-Texte und auch ein paar B-Seiten ausgesucht, um über diesen beeindruckenden Autor zu quatschen. Und wie schon bei »Im Westen nichts Neues« muss unsere Crew bei den schonungslosen Beschreibungen von Kriegsfolgen und all dem, was dort nicht steht, ganz schön schlucken.

Wieder einmal keine einfache Folge, aber wir wünschen viel Freude dabei!