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Unterrichtsreihe zu E.T.A. Hoffmanns »Der Sandmann« 👁️

Zum Beispiel in NRW ist aktuell die Epoche der Romantik ein Schwerpunktthema im Abitur. Um nicht nur sehnsuchtsvolle Eichendorff- und Novalis-Gedichte am Fließband zu lesen, bietet sich dafür ein Erzähltext ganz besonders an: E.T.A. Hoffmanns Novelle »Der Sandmann«, die auch die düsteren, psychologischen Untiefen der schwarzen Romantik erforscht. Das Werk hat nur 40 Seiten, gibt aber unheimlich viel her, weshalb wir es in Podcast-Folge 21 uneingeschränkt empfohlen haben.

Die folgenden Materialien stammen aus fünf (!) Q1-Durchgängen »Der Sandmann« – es ist also viel zu viel Stoff für eine einzige Unterrichtsreihe. Ihr könnt auswählen, was zu eurem Kurs passt und selbstverständlich sind alle Materialien vollständig anpassbar:

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#87: Euripides – Medea🐉

Zu Beginn von Euripides‘ Tragödie »Medea« ist der Großteil des epischen »Argonauten«-Mythos eigentlich längst gelaufen:

Göttliche Prophezeiungen, die große Fahrt der »Argo«, brennende Stiere, das goldene Vließ, blutige Intrigen, Zauberei, die spektakuläre Flucht aus Jolkos und v.a. die große, abenteuerliche Liebesgeschichte zwischen der magischen Medea und dem heldenhaften Jason.
Der dröge Ehe-Alltag nach dem Abenteurer-Leben langweilt Jason jedoch schnell, so dass er sich schon bald eine Neue sucht – und auch noch Glauke, die Tochter des König Kreon persönlich. Offenbar hat er über seine Midlife-Crisis vergessen, wie seine geliebte Medea all die wilden Jahre über war: stolz, klug, emanzipiert, reizbar, äußerst rachsüchtig und ausgestattet mit geheimem Wissen über uralte Flüche und göttliche Strafen…

Großen Dank an Michael Neupert, der als Autor und Regisseur des »Ein-Euro-Ensembles« gerade seine zweite Inszenierung von »Medea« vorbereitet und entsprechend der bestmögliche Gast für diese Folge war. Komm gerne wieder! Und ihr dürft euch schonmal den 12.06.2026 vormerken, wenn »Medea – Mutter der Leere« in Köln Premiere feiert! Unsere Crew wird da sein!

Und auch beim mit Abstand ältesten Buch (schlappe 2.450 Jahre) der bisherigen »Laberfach«-Historie fragen wir natürlich: Gehört sowas (noch) in den Lehrplan?

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#86: Mären – Comedy- und Sex-Geschichten aus dem Mittelalter 🏰

Wenn man Filme mit mittelalterlichem Setting schaut, sind die dargestellten Dorfleute meistens a) dumm und spießig und b) von Dreck, Leid, Pest und den allsonntäglichen Hexen-BBQs völlig zerstört. Wie verzerrt dieses Mittelalterbild ist, lesen wir heute in gleich drei Texten:

Wenn der Barde am Kamin lautenzupfend seine Mären vortrug, kam das Publikum aus dem Lachen nicht mehr heraus: Clever, ein bisschen lehrreich und v.a. voll von ziemlich dreckigem Humor waren die Verserzählungen, in denen alle ihr Fett wegbekamen: Frau Bäuerin treibt es im Stall mit dem Pfarrer, der adelige Ritter Arnold frisst wie ein Schwein und was Jungfer Irmengard in der Kemenate mit ihrer Peitsche anstellt, ist eindeutig FSK18. Gleichzeitig werden aber auch die Werte der Gesellschaft im 13. Jahrhundert reflektiert und ausgehandelt: Wie verhält man sich als guter Mensch? Und wo sind unsere Grenzen?

Wir Wünschen viel Spaß mit der ersten Laberfach-Folge 2026!
Und Trigger-Warnung: Es wird wieder einmal gelacht! 🫢

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#85: Friedrich Dürrenmatt – Der Besuch der alten Dame

Claire: »Die Menschlichkeit, meine Herren, ist für die Börse der Millionäre geschaffen, mit meiner Finanzkraft leistet man sich eine Weltordnung. Die Welt machte mich zu einer Hure, nun mache ich sie zu einem Bordell. Wer nicht blechen kann, muss hinhalten, will er mittanzen. Ihr wollt mittanzen.«

Claire Zachanassian besucht als alte Dame noch einmal ihr Heimatdorf. Während sie inzwischen die reichste Frau der Welt geworden ist, leben die Güllener (Pun intended) in bitterster Armut und sind äußerlich und moralisch völlig heruntergekommen. Aber natürlich ist »Kläri« gekommen, um ihnen zu helfen – und um blutige Rache an allen zu nehmen, die sie einst zerstört haben…

Ihr habt euch Dürrenmatts groteske Tragikomödie seit Ewigkeiten gewünscht, also legen wir sie euch direkt unter den Weihnachtsbaum! Die kafkaeske Kapitalismuskritik zwischen völlig bizarrem Humor (singende Eunuchen…) und der krassesten Zurschaustellung menschlicher Abgründe hat uns, wie ihr euch denken könnt, sehr viel Freude gemacht!

Vielen Dank an den Schauspieler und Regisseur Michael Neupert (https://www.eineuro-ensemble.de/team), der für euch in den Hörstücken den Alfred Ill gespielt hat. Schaut mal beim Ein-Euro-Ensemble rein!

Die Laberfach-Crew wünscht viel Spaß mit der Folge, frohe Festtage und einen guten Rutsch!

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#84: Caroline Wahl – 22 Bahnen🏊🏻‍♀️

Wir hatten ja ein kontroverses Buch versprochen:

Als Caroline Wahls Debütroman »22 Bahnen« 2023 erschien, überschütteten ihn die Kritiker*innen mit Liebe: Authentisch sei es, nahbar und voller Leichtigkeit. Inzwischen kübelt nicht zuletzt die junge Hauptzielgruppe auf BookTok ihren Hass über dem Roman aus: Stümperhaft geschrieben, Verharmlosung von Drogen, Alkoholismus und Armut inklusive. Und auch unsere Crew ist diesmal sehr gespaltener Meinung!

Der Plot um die Mathematik-Studentin Tilda, die im Studium brilliert, den Alltag mit ihrer schwer alkoholkranken Mutter und ihrer verschüchterten kleinen Schwester meistert und die Familie versorgt, hat ohne Zweifel viele lose Enden. Die Liebesgeschichte mit dem mysteriösen, einzelgängerischen Viktor ist vielleicht auch Geschmackssache. Ob das Buch Hochliteratur ist? Sicher nicht, aber im Unterricht ist ja eben nicht nur Platz für Schiller und Goethe. Hat der Roman also Lern-Potenzial? Und gefällt er überhaupt den Schüler*innen?

Dies und viel mehr in einer »Laberfach«-Folge, in der es mal richtig zur Sache geht!

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#83: Charles Dickens – Der Weihnachtsabend 🎄🎁

Moin und merry Christmas!

Als höchstseriöser Literatur-Podcast hat die »Laberfach«-Crew sich für den WissPod-Adventskalender den Altmeister Charles Dickens persönlich ausgesucht:

»A Christmas Carol in Prose, Being a Ghost-Story of Christmas« (wörtlich: »Ein Weihnachtslied in Prosa, das eine Geistergeschichte von Weihnachten ist«, zu Deutsch meistens: »Der Weihnachtsabend«) erschien 1842 und ist den meisten wahrscheinlich durch die Verfilmung mit den Muppets bekannt. Aber geht das Original-Buch auch ohne Gonzo und Miss Piggy ans Herz?

Kritiker warfen Charles Dickens schon im 19. Jahrhundert vor, seine Geschichte um den grummeligen Geizhals Mr. Scrooge sei purer Kitsch. Kein ganz unberechtigter Vorwurf, aber wann sollte ein Autor mit heimeligen Familien-Szenen, melancholischen Rückblenden und herzzerreißend armen Kindern aufwarten, wenn nicht zu Weihnachten?!

Kommt zu uns an den Kamin für DEN Klassiker unter den Weihnachtsgeschichten und die Frage: Gehört sowas (noch) in den Lehrplan…?

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Diese »Laberfach«-Folge erschien als erstes bei WissPod.de (https://wissenschaftspodcasts.de/wisspodcast/wisspodweihnacht-2-a-christmas-carol-mit-laberfach/) als zweites Türchen des ersten WissPod-Adventskalenders. Hört auch in die anderen 23 Folgen rein: https://wissenschaftspodcasts.de/themenseiten/wisspod-adventskalender-2025/ !

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#82: Hermann Hesse – Der Steppenwolf 🐺

»Heut nacht von vier Uhr an magisches Theater
– nur für Verrückte –
Eintritt kostet den Verstand.
Nicht für jedermann.
Hermine ist in der Hölle.«

Als Harry Haller, der Protagonist von Hermann Hesses »Der Steppenwolf« (1927) diese Botschaft von einem kleinen, als Teufel verkleideten Männlein zugeschoben bekommt, hat er schon einiges hinter sich: Harry – ein von Weltschmerz und Gicht zerfressener Alkoholiker Ende 40 – sucht sein Glück sein Leben lang in sauberen, bürgerlichen Mietshäusern. Aber in ihm tobt eben ein »Steppenwolf« – ein Künstler, Chaot und Freigeist, der die ganz großen Gefühle erleben will.

Irgendwann ergattert er eine Broschüre für das magische Theater, bekommt eine ausführliche Analyse seiner eigenen Psyche von einem völlig Fremden zugesteckt, gerät in einer Kneipe an Hermine, die ihn Tanzen und Selbstironie lehren will. Zum Schluss schenkt ihm das Teufelchen die ersehnte Eintrittskarte für das Theater: Nur für Verrückte

Ihr seht: Was auf den ersten 50 Seiten wie der nächste verstaubte Alte-weiße-Männer-Jammer-Roman wirkt, entwickelt sich zu einem spannenden Trip zwischen Magie und Drogenrausch. Ist das etwas für heutige Schüler*innen…?

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#81: Thomas Mann – Deutsche Hörer! (Radioansprachen von 1940 bis 1945)📻

Die Gardinen sind zugezogen. Der Radioapparat, um den sich die ganze Familie erwartungsvoll versammelt hat, ist ganz leise gedreht. Und dann geht es endlich los: »Deutsche Hörer!«, knistert es aus dem Lautsprecher. Diesmal sind es aber nicht Hitler, Goebbels oder Göring, die aus dem »Volksempfänger« bellen – ganz im Gegenteil: Es ist der Literaturnobelpreisträger Thomas Mann, der die Deutschen mit ruhiger Stimme zum Widerstand aufruft. Sind die Gardinen auch wirklich zu? Auf »Abhören von Feindsendern« stehen Lagerhaft und Zwangsarbeit.

Mit Unterstützung der BBC funkt Thomas Mann, direkt nach der Machtübergabe an die Nazis ins Ausland geflohen, zwischen 1940 und 1945 insgesamt 59 Radio-Ansprachen direkt in die Wohnzimmer des Deutschen Reiches. In vielen seiner Reden macht er sich wortgewaltig über das Versager-Regime lustig, das Deutschland und die Welt gerade in den Abgrund führt. Oft appelliert er an die Vernunft der Deutschen, endlich Widerstand zu leisten. Und regelmäßig klärt er die Hörer*innen über den Vernichtungskrieg im Osten auf und nennt die Zahlen der unschuldigen Opfer der ach so »sauberen Wehrmacht«, die im Propaganda-Programm der Nazis garantiert nicht vorkommen. »Wir haben ja von nichts gewusst«? Sicher, Opa…

Als antifaschistischer Podcaster war Thomas Mann also unser Bruder im Geiste. Höchste Zeit also, dass wir diesem einmaligen Quellenbestand unsere erste Sonderfolge nach den Epochen widmen! Aber gehören diese krassen Ansprachen auch in den Unterricht…?

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#80: Saša Stanišić – Herkunft🐉

Was bedeutet eigentlich »Herkunft«?

Wo dein Kreißsaal stand? Wo deine Familie ihre Wurzeln hat – auch wenn du den Ort nur als Tourist kennst? Aus welchem Land du kommst? Auch, wenn das Land bereits von der Karte verschwunden ist? Was du sprichst? Wo deine Liebsten wohnen? Was in deinem Pass steht?

Der Erzähler des Romans, der genau wie sein Autor Saša ([ˈza.ʃa]) heißt, stellt sich alle diese Fragen, während er an seine Jugend im ehemaligen Jugoslawien zurückdenkt. Heute wohnt dort nur noch seine Großmutter Kristina und deren Erinnerungen geraten mit 87 Jahren immer mehr durcheinander. Wenn der Leser möchte, brechen die beiden am Ende gemeinsam auf ein letztes Abenteuer auf…

Freut euch auf einen Roman zwischen cleverer Gesellschaftskritik, ganz viel Humor und Herz, Reflexion über »Herkunft« und das Altern, Pen&Paper-Rollenspielen und DRACHEN!

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#79: Oscar Wilde – Das Bildnis des Dorian Gray 🍷

Stellt euch vor: Jemand malt ein wunderschönes Portrait von euch und wenig später stellt sich heraus, dass dieses Bild ein Safe State eures Körpers ist: Ihr könnt Fastfood fressen, rauchen, saufen, Drogen einwerfen und die Nächte durchtanzen so viel ihr wollt – ihr bleibt auf ewig ein kerngesunder, faltenfreier, bildhübscher 20-jähriger – nur euer Gemälde verfault so vor sich hin.

Wie würde euer Leben aussehen?

Vor genau dieser Frage steht der Protagonist Dorian Gray in Oscar Wildes weltberühmten Roman und Spoiler: natürlich eskaliert die Lage völlig! Begleitet mit uns Dorian auf seinem Abstieg von der viktorianischen High Society in die versifftesten Opiumhöhlen Londons.

Ab jetzt fragen wir wieder alle drei Wochen: »Gehört sowas in den Lehrplan…?«